Heißt es am Dienstag, dem... oder am Dienstag, den...?
Um ein Datum zu bestimmen, hat die deutsche
Sprache im ganzen gesehen zwei Möglichkeiten.
Sie kann eine Präposition verwenden,
meist an in der Form am = an + dem:
am Dienstag, am 10. August, am kommenden Sonntag, an Neujahr, am Ostermontag,
am Tag der Arbeit.
Sie kann aber auch den bloßen Akkusativ der Zeit anwenden:
nächsten Dienstag; Mannheim, den 3.
Juni; oder allgemeiner: kommende
Woche, vergangenen Herbst, letztes
Jahr. Wir verreisen diesen Sommer im
August.
Stehen nun zwei Bezeichnungen für den gleichen Tag nebeneinander, so ist
es das natürlichste, wenn beide im gleichen
Fall stehen. Entweder im Dativ mit am:
Am Dienstag, dem 10. August, reisen wir ab.
Oder im adverbialen Akkusativ:
Nächsten Dienstag, den 10. August, reisen wir ab.
Bei diesen beiden Formulierungen des Datums ist der Monatstag ein nachgestellter
Beisatz (eine nachgestellte Apposition) zum
Wochentag. Denn der Beisatz steht nach der
grammatischen Regel im gleichen Fall wie sein
Bezugswort.
Fehlen nur Beifügungen wie "nächsten, diesen, kommenden",
dann ist zwar der Akkusativ des Wochentags
nicht mehr erkennbar. Der Monatstag behält
aber den kennzeichnenden Artikel "den":
Dienstag, den 10. August, reisen wir ab.
Das sind also die beiden möglichen Ausdrucksweisen für das Datum:
Der Dativ mit am und der adverbiale
Akkusativ. Im Sprachgebrauch haben sie sich
oft vermischt, so daß der Wochentag
im Dativ mit am, der Monatstag aber
im Akkusativ steht:
Am Dienstag, den 10. August reisen wir ab.
Diese Form ist früher oft falsch gerügt worden. Man hielt sie für
eine unerlaubte Kasusabweichung in der Apposition.
Wer aber das Oben gesagte bedenkt, der erkennt,
daß hier ganz einfach zwei voneinander
unabhängige Zeitangaben zusammenkommen.
Wir haben keine falsche Apposition vor uns,
sondern eine Aufzählung. Darum setzen
wir auch nach dieser Form des Datums kein
Komma.
Diese Schreibweise ist natürlich auch bei der Form ohne am möglich,
wenn der Fall, in dem der Wochentag steht,
nicht mehr erkennbar ist:
Dienstag, den 10. August reisen wir ab.
Aus all dem ergibt sich, daß der Schreibende volle formale Freiheit hat.
Er kann die grammatisch strenge Form der Apposition
wählen oder die loserer Form der Aufzählung
selbständiger Zeitangaben. Er muß
nur darauf achten, daß er bei der Apposition
das zweite Komma setzt und daß er es
bei der Aufzählung wegläßt.
Gebraucht er das Wort am gar nicht, dann kann
er auch gar nichts falsch machen:
Dienstag, den 10. August, reisen wir ab/Dienstag, den 10. August reisen wir
ab.
Eins aber muß noch gesagt werden: Einen adverbialen Dativ gibt es nicht!
Der Dativ kann in der Zeitangabe nur mit einer
Präposition auftreten. Was man also oft
bei Briefen liest:
Dienstag, dem 10. August oder Mannheim,
dem 10. August - das ist falsch!