Ein Antonym ist ein Gegenwort, also eines, das die entgegengesetzte Bedeutung
eines anderen zum Ausdruck bringt. Einfache,
gängige Wortpaare wie hoch - niedrig,
groß - klein sind jedem geläufig,
aber sie sind die Minderzahl und gerade wegen
ihrer Landläufigkeit kein Zeichen für
differenzierten und korrekten Ausdruck.
Schon bei den kombinierten Adjektiven versagt das Modell, denn wer wird das
Gegenteil eines hochherzigen Menschen "niederherzig"
nennen? "Niederträchtig" wäre
angemessen, aber "hochträchtig"
wiederum ist kein Synonym für "hochherzig",
sondern bezeichnet die Kuh, die bald kalben
sollĐ™ Auch die
klassische Verneinungssilbe "un-"
kann in die Irre führe. Zwar ist "barmherzig"
das Gegenteil von "unbarmherzig",
jedoch "tadelig" nicht das von "untadelig".
Hier mu§ es "tadellos" oder "perfekt"
heißen.
Natürlich haben nicht nur Adjektive ihr Gegenwort, sondern auch Substantive,
Verben und Präpositionen. Besonders die
Verben mit ihren schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten
aus Grundwort und Präfix stellen eine
Herausforderung an die Fähigkeit zum
treffenden Ausdruck dar - nicht nur für
den deutschlernenden Ausländer.
Das Gegenteil von "lernen" ist "unterrichten" oder "vergessen",
das Gegenteil von "hinbringen" ist
"holen", aber auch "herbringen"
bei gewechselter Perspektive. Man kann sich
eine Krankheit "holen", aber nicht
"bringen", sonder sie nur "übertragen"
bzw. jemanden damit "anstecken".
Wer sich "ansteckt", muß nicht
"gelöscht" werden, wie dies
beim Bezug auf das Thema "Feuer"
korrekt wäre, sonder muß "geheilt"
bzw. "kuriert" werden. Diese Beispiele
ließen sich beliebig fortsetzen.
Die bewegte Geschichte der deutschen Sprache, die jeder Deutschsprechende im
täglichen Sprachgebrauch mit fortschreibt,
hat also zahllose Sprachbeziehungen geschaffen,
die nicht den Gesetzen formaler Logik gehorchen,
sondern die unendlich vielschichtige historische
Entwicklung des deutschen Kulturraums sprachlich
darstellen.
Hierbei haben sich zahllose Worte mit ursprünglich gleichem Stamm in unterschiedlichen
Richtungen entwickelt. Die Traditionen einzelner
Berufsgruppen, Eindeutschungen aus anderen
Sprachen und die Neubildungen im Zuge des
technologischen Fortschritts sind nur wenige
sinnfällige Gründe für diesen
Prozeß.
Ein Antonym bezieht sich daher nicht nur auf eindeutige, einander ausschließende
Gegensätze, sondern umfaßt im wesentlichen
erweiterten Sinne auch alle die Beziehungen,
die im gesellschaftlichen Alltagszusammenhang
Ergänzungen, Polaritäten oder auch
- vor allem bei Verben - einen Perspektivwechsel
markieren.
Dieser weite Begriff des Antonyms macht deutlich, daß das Antonym wie
das Synonym in ihren Bedeutungen zur Erklärung
eines Stichwortes beitragen. Hier einige Beispiele
:
beruflich: pvat
Entwicklung: Stillstand, Stagnation
Erfolg: Niederlage, Mißerfolg
Gleichgültigkeit: Teilnahme, Anteilnahme
Gleichheit: Ungleichheit, Unterschied
Verbrauch: Produktion