Herrn Architekt Müllers Verlobung
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Der Deutsche macht es genau. Und wenn jemand einen Titel hat - oder was man
dafür hält -, dann soll er auch damit
genannt werden. Die Deutschen legen auch besonderen
Wert auf ihre Titel und sie sollen alle genau
genannt werden. So trifft man dann in einer
deutschen Klinik nicht selten auf einen Herrn
Professor Dr. Dr. Schmidt. Oft steht auch neben
dem Titel das Fach, indem der- oder diejenige
promoviert hat und das ist nicht immer Medizin:
Dr. phil. (Geisteswissenschaft), Dr. jur. (Rechtswissenschaft),
Dr. soz. (Soziologie), etc...
Damit fängt aber die Schwierigkeit an. Daß nicht alles "Titel"
ist, was üblicherweise vor einem Namen
steht, braucht uns hier nicht zu interessieren.
"Architekt" zum Beispiel ist kein
Titel, ebensowenig wie "Ingenieur",
"Rechtsanwalt" oder "Apotheker";
das sind alles nur geschützte Berufsbezeichnungen,
im Gegensatz zu den eigentlichen Titeln der
Beamtenwelt wie "Regierungsrat", "Professor",
"Inspektor" oder den Dienststellenbezeichnungen
wie "Direktor" und "Präsident",
die gleichfalls als Titel gelten.
Nein, die Schwierigkeiten liegen in der Grammatik. Wie baut man Titel in Sätze
ein? Wann wird der Titel dekliniert, wann der
Name? Wie gestaltet man Adressen mit Titeln?
Architekt Müllers Verlobung ist dasselbe
wie Hans Müllers Verlobung und -
grammatisch gesehen - auch nichts anderes als
Professor Dr. Dr. Hans Müllers feierliche
Verlobungserklärung.
Dekliniert wird immer nur der Familienname (Müller - Müllers), ganz
gleich, ob ein oder mehrere Titel, eine Berufsbezeichnung,
ein Vorname oder gar nichts vor dem Familiennamen
steht.
Fügt man aber nun, wie es üblich ist, die Bezeichnung "Herr"
hinzu, dann muß diese ebenfalls dekliniert
werden:
Herrn Hans Müllers Verlobung, Herrn Dr. Müllers Verlobung, Herrn Architekt
Müllers Verlobung
Das ändert sich alles sofort, wenn man den Artikel verwendet. Der Artikel
gehört nicht zum Namen, er kann also nur
auf den Titel oder die Berufsbezeichnung einwirken;
der Name wird dann nicht dekliniert.
Des Architekten Müller aufsehenerregende
Verlobung, das Plädoyer des Rechtsanwalts
Hansen, die Rede unseres Bürgermeisters
Schulze.
Werden mehrere Titel genannt, dann wird in der Regel nur der erste dekliniert:
das Plädoyer des Rechtsanwalts Dr.
Hans Müller.
Geht ein "Herrn" voraus, dann wird der erste folgende Teil ebenfalls
dekliniert: die Ansprache des Herrn Abgeordneten
Dr. Groß.
Aber Verwandtschaftsbezeichnungen wie "Vater" und "Bruder"
sind keine Namen. Sie müssen dekliniert
werden: die Verlobung deines Herrn Bruders,
der Brief Ihres Herrn Vaters (nicht:
Ihres Herrn Vater).
Ein Sonderfall, der manchmal Schwierigkeiten macht, ist, wenn der Name nach
einer Berufsbezeichnung folgt: der Unfall unseres
Buchhalters, Herrn Müllers, die Rede des
Rektors, Professor Dr. Lehmanns...
Schließlich noch die Behandlung von Fürstennamen, weil dies in historischen
Darstellungen immer wieder vorkommt und auch
bei Fachleuten Unsicherheit hervorruft, besonders
bei solchen mit Beinamen:
Ohne Artikel vor dem Titel: Kaiser Karls Siege (wie: Architekt Müllers
Verlobung), die Krönung Kaiser Friedrich
Barbarossas.
Aber: die Krönung Kaiser Friedrich des
Ersten, der Tod Herzog Heinrichs des Löwen
Mit Artikel: die Siege des Kaisers Karl, die Erinnerungen des Prinzen Max
von Baden
Aber: die Regierung des Königs Philipp
des Zweiten.
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