"Fremdwörter sind Glücksache!" So sagt man mit freundlicher
Nachsicht, wenn jemand Albumine und
Alimente verwechselt oder beim Kellner
statt des Menüs ein Menuett
bestellt. Aber nicht nur die Bedeutungen der
Fremdwörter, sondern auch ihre Formen
sind oft schwierig zu handhaben, weil sich
hier mancherlei Einflüsse kreuzen.
Viele Substantive unter den Fremdwörtern,
wohl die meisten, sind in ihren Deklinationsformen
eingedeutscht worden. Sie folgen der im Deutschen
üblichen starken, schwachen oder gemischten
Deklination:
stark: der Apparat, des Apparat(e)s, die Apparate; der Komplex, des Komplexes,
die Komplexe; der Friseur, des Friseurs, die
Friseure; das Fragment, des Fragments, die
Fragmente.
schwach: der Student, des Studenten, die Studenten; der Drogist, des Drogisten,
die Drogisten; der Soldat, des Soldaten, die
Soldaten; die Kommission, der Kommission,
die Kommissionen; die Figur der Figur, die
Figuren.
gemischt (d.h. nur im Plural schwach): der Doktor, des Doktors, die Doktoren;
das Insekt, des Insekts, die Insekten; der
Typ, des Typs, die Typen; das Museum, des
Museums, die Museen.
Daneben gibt es den Plural auf -s. Er triff vor allem bei Fremdwörtern
aus dem Englischen und Französischen
auf, weil er in diesen Sprachen heimisch ist:
englisch: die Hobbys, die Ponys, die Steaks, die Slums, die Partys oder
Parties, die Ladys oder Ladies;
französisch: die Salons, die Bankiers, die Büros, die Doubles;
aus andern Sprachen: die Pianos, die Tornados, die Emus, die Geishas, die
Iglus, die Anoraks.
Manche Fremdwörter haben Doppelformen entwickelt, weil zwar die Deklination
in der Ursprungssprache noch nachwirkt, auf
der anderen Seite aber auch viele Sprecher
diese Wörter als Bestandteile der deutschen
Sprache ansehen und entsprechend beugen. So
stehen z.B. Formen auf -s und solche
auf -e nebeneinander:
Die Balkons - die Balkone; die Parks - die Parke; die Parfums - die Parfüme.
Lateinische und griechische Wörter, bei denen man zuerst die deutschen
Endungen an den fremden Stamm setzte, haben
neue Plurale vom Nominativ her gebildet:
Die Atlanten - die Atlasse; die Globen - die Globusse, die Alben - die Albums (umgangssprachl.).
Bei anderen Wörtern dieser Art sind die deutschen Formen allein üblich:
Die Zirkusse, die Krokusse, die Omnibusse.
Die fremdsprachlichen Plurale sind naturgemäß vielen ungewohnt. Wer
Latein und Griechisch nicht in der Schule
gelernt hat, dem kann man es nicht verdenken,
wenn er mit Wörtern wie die Indizes
(statt Indexe), die Schemata
(statt Schemas), die Detergenzia
(statt Detergenzien) nichts anfangen
kann. So kommt es dann, daß jemand die
Pluralformen zusätzlich mit einem -s
versieht, um sie nach seiner Meinung erst
eindeutig zu machen. Das sieht dann so aus:
Das Schema, die Schemas oder Schemata,
falsch gebildet: die Schematas; das Thema,
die Themen oder Themata, falsch
gebildet: die Thematas, das Komma, die
Kommas oder Kommata, falsch gebildet:
die Kommatas; das Lexikon, die Lexiken
oder Lexika, falsch gebildet: die
Lexikas.