Wer von Ihnen hat nicht schon einmal einen deutschsprachigen Geschäftstext
in die Hände bekommen, dessen Verfasser
sich erlaubt hat, nicht jedes Wort auszuschreiben?
Sicherlich ist es ein Merkmal von Geschäftsbriefen
und -texten, kurz und nüchtern formuliert
zu sein; bildreiche Metaphern und klangvolle
Satzgefüge haben dort schließlich
keine Berechtigung, sie wären nur überflüssiger
Ballast.
Aus diesem Grund bedienen sich gerade geschäftliche und administrative
Texte zahlreicher Abkürzungen, die teilweise
gebräuchlicher als ihre ausgeschriebenen
Formen sind. Aber auch im normalen Sprachgebrauch
finden Abkürzungen ihre Anwendung, so
daß man nahezu in jedem deutschen Text,
außer in literarischen natürlich,
mit ihnen konfrontiert wird. Das hat ja auch
seine Vorteile: Der Text wird - sofern nicht
durch zu viele Kürzel kryptisch - mitunter
flüssiger und der Schreiber spart eine
Menge Zeit.
Für einen Muttersprachler ist es kein Problem, einen Text mit Abkürzungen
wie z. B., u. v. m. oder Dipl.
Ing. zu verstehen. Aber beispielsweise
für Sekretärinnen, die in Deutsch
als Fremdsprache korrespondieren müssen,
können Verständnisprobleme entstehen.
Gebräuchliche Abkürzungen im allgemeinen Sprachgebrauch
Im Rahmen von Aufzählungen werden häufig die Abkürzungen u.
ä. für und ähnliches,
u. a. m. für und anderes mehr,
u. a. für unter anderem
sowie usw. für und so weiter
verwendet. Hierzu Beispiele: "Das Inventar
des Büros zählte u. a. einen Computertisch,
einen Schreibtisch, zwei Bürostühle
und eine Schreibtischlampe."
Ebenfalls sehr gebräuchlich sind die Abkürzungen allg. für
allgemein, bzw. für beziehungsweise,
d. h. für das heißt,
vgl. für vergleiche, z.
B. für zum Beispiel, z.
Z. für zur Zeit, einschl.
für einschließlich, ggf.
für gegebenenfalls, evtl.
für eventuell, geb. für
geboren. Beispiele: "Stellen Sie
uns einen Scheck aus bzw. überweisen
Sie den Betrag auf das unten angegebene Konto."
"Das Personal einschl. der Praktikanten
des Betriebs wurde gebeten, sich um 17.00
Uhr im Konferenzzimmer einzufinden."
Wichtige Abkürzungen in Geschäftstexten
An dieser Stelle seien zunächst die Kürzel für die häufigsten
Organisationsformen genannt: AG steht
für Aktiengesellschaft (Daimler
Benz AG), e. V. für eingetragener
Verein (Menschen und Mäuse e. V.),
Ges. für Gesellschaft (Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit), Gebr.
für Gebrüder (Gebr. Schmitz),
Fa. für Firma (Fa. Rennscheid),
KG für Kommanditgesellschaft
(Götsch Einkaufscenter KG), G.m.b.H.
für Gesellschaft mit beschränkter
Haftung (Allround Service Köln GmbH)
und OHG für offene Handelsgesellschaft
(Funke & Funke OHG).
Häufig sind außerdem folgende Abkürzungen
in Dokumenten über geschäftliche
Angelegenheiten zu finden: Abt. für
Abteilung, a. D. für außer
Dienst, Art. für Artikel,
(vor allem im Zusammenhang mit rechtlichen
Paragraphen), i. V. für in Vertretung,
ges. gesch. für gesetzlich
geschützt und i. A. für
im Auftrag.
Dokumentbezogene Kürzel
In einem illustrierten Text, z. B. einer Gebrauchsanweisung, wird nicht selten
mit Abbildungen gearbeitet und auf diese mit
der Abkürzung Abb. verwiesen:
"Siehe Abb. 1.2 Seite 34." Am Ende
eines Briefes oder sonstigen Dokumentes findet
man mitunter das Kürzel Anm. für
Anmerkung; damit wird auf zusätzliche
Informationen oder Erläuterungen hingewiesen,
die sich auf den im Text wiedergegebenen Sachverhalt
beziehen. Analog wird die Abkürzung Bem.
für Bemerkung eingesetzt. Mit
b.w. für bitte wenden am
unteren Seitenrand wird dazu aufgefordert,
die Rückseite eines Dokumentes zu lesen,
mit s.o. für siehe oben
bzw. s.u. für siehe unten
wird auf Informationen verwiesen, die an einer
vorherigen bzw. nachstehenden Stelle im Text
nachzulesen sind.
Im Zusammenhang mit einer Unterschrift oder
gar als Ersatz für eine solche könnte
man auf die Abkürzung gez. für
gezeichnet stoßen: "gez.
Maria Müller, Abteilungsleiterin."
Verkürzte
Namenszusätze
Promovierte Akademiker tragen vor ihren Namen den Titel Dr. für
Doktor in Verbindung mit einer fachlichen
Kennung, z.B. Dr. rer. nat. für einen
naturwissenschaftlichen Doktortitel. Das Kürzel
Dipl. steht für Diplom
(Beispiel: Dipl. Kfm. für Diplom Kaufmann).
Der Hochschuldozent nimmt bei Bedarf
ein Doz. in seinen Titel auf, der Professor
weist sich durch ein Prof. aus. Trägt
ein Sohn denselben Vornamen wie sein Vater,
so wird der Jüngere durch das Kürzel
jr. oder jun. für Junior
und mitunter der ältere durch sen.
für Senior kenntlich gemacht.
Die nicht mehr sehr gebräuchliche Bezeichnung
Fräulein für eine unverheiratete
Frau wird mit Frl. abgekürzt.
Wichtige Abkürzungen deutscher Organisationen und volkswirtschaftlicher
Größen
IHK Industrie- und Handelskammer
DGB Deutscher Gewerkschaftsbund
BIP Bruttoinlandsprodukt
BSP Bruttosozialprodukt
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
DIN Deutsches Institut für Normung
BDI Bundesverband der deutschen Industrie
Interessant ist, daß vereinzelt Abkürzungen ihre ausgeschriebene
Form weitgehend aus dem Sprachgebrauch verdrängt
haben: Man spricht z.B. in Deutschland weniger
von den Bayrischen Motorenwerken, sondern
eher von BMW: Analog verhält es
sich mit Volkswagen und VW.
Das Beispiel BVB, das (wie wohl kaum
jemand weiß) für Ballspielverein
Borussia Dortmund steht, verdeutlicht
die Unentbehrlichkeit der Abkürzungen
im deutschen Sprachgebrauch.